Bei einem Politikseminar in einer westukrainischen Stadt im Frühling 2018 lernte sie Julius, einen Fachkollegen aus dem Ruhrgebiet, kennen. Zusammen gingen sie abends in ein vom Reiseführer gelobtes Kaffeehaus am Marktplatz, dem Rynok. Dort erzählte er ihr über seine trotz-des-Debakels-traditionsgemäße-Treue zur SPD, die unabhängige Ukraine, den Rechtsstaat, die politische Lage Deutschlands. Während sie ihm zuhörte, schaute sie sich etwas um. Am Nachbartisch saßen zwei Männer in einem Alter, das man wohl als mittleres bezeichnen würde. Sie sprachen Deutsch und waren – so vermutete sie aufgrund ihrer Freizeitkleidung und ihres allgemeinen Auftretens – Polizisten im Urlaub. Sie tauschten erst Blicke und dann einige Worter aus, aus denen sich sehr schnell ergab, dass die Männer die AfD großartig finden, Sarah Wagenknecht und Russland ebenso und außerdem eine Rückkehr zur D-Mark wünschen.
Dienstag, 6. November 2018
Samstag, 3. November 2018
Samstag, 15. September 2018
Tango in Lewandiwka
🌸Eine französische Fassung dieses Textes habe ich am 29. August 2018 gepostet.
In der Menge, die ich beobachtete, fielen mir zwei Personen
auf: Eine elegante und etwas verwelkte – oder zu dick geschminkte? – Frau, die
ein Seidenkleid trug, das ihren Rücken entblößte, und ein Mann in einem hell-beigen
Anzug, zu kokett für den Anlass. Inmitten von Frauen fortgeschrittenen Alters in Röcken, 7/8-Hosen und
Sandalen saßen sie auf der Tribüne
vor der Hauptbühne des Festivals in Lewandiwka. Diese war am Eingang des dortigen Jugendzentrums aufgebaut worden, das sich in
einem ehemaligen sowjetischen, nun in nationalen Farben gestrichen, Kino befindet. Als
ich sie fotografierte, wurde mir plötzlich klar: Die zwei exotischen Vögel waren die Tangolehrer,
die im Programm,
das ich gerade studiert
hatte, angekündigt waren.
Sonntag, 9. September 2018
Dichter an der Front
Ich fand mich wieder in einem Kulturpalast. Diesmal nicht im eleganten Lwiw, sondern in der nah an der Front gelegenen Industrie- und Hafenstadt Mariupol, im Osten der Ukraine. „Das ist ein Ort, wie man sich ihn vorstellt“, kommentierte ein Kollege, als wir in dem Saal, der eine Jugendweihe irgendwo in Ostdeutschland hätte beherbergen können, Platz nahmen. Sein Inneres zeugte von der Pracht eines ehemaligen Hotels, das später als sowjetisches, nun ukrainisches Haus des Volkes diente: Hohe Decken mit Sternen besetzt, die als Blumen gehen können, und beige-gelbe Wände, die zum Blau der massenproduzierten Plastikstühle passten, und eine neue Zeit anzukündigen schienen.
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Mittwoch, 29. August 2018
Tango à Lewandiwka
Dans la foule que j’observais, deux personnages se
démarquaient : une femme élégante et un peu fanée – ou trop maquillée ?
–, portant une robe soyeuse qui lui découvrait le dos, et un homme en complet
clair, trop coquet pour l’occasion. Ils
étaient assis entre des femmes d’âge mûr en jupe, pantalon aux chevilles
et sandales, à une tribune de la
scène principale du festival de Lewandiwka.
La tribune était installée à l’entrée d’un centre jeunesse situé dans un vieux
cinéma soviétique repeint aux couleurs nationales ukrainiennes. En la photographiant,
j’ai soudain compris : les
deux oiseaux colorés étaient les professeurs de la classe de tango
annoncée dans le programme que je venais tout juste de consulter.
Donnerstag, 23. August 2018
Dienstag, 21. August 2018
Die Krim-Bar
Einmal war ich schon da, mit Freunden aus Polen. Sie liegt in einer Seitenstraße, unweit von meiner Wohnung. Weil es nur Wein gab, wollte einer der Freunde nicht bleiben. Seit er nicht mehr trinkt, ist ihm das Angebot an Wasser und allerlei Getränken wichtig.
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Ich ging nochmal hin, diesmal mit Marie. Uns behagte die Bar sehr. Sie ist klein, etwas dunkel; die Wand hinter der Theke scheint mit Fässern tapeziert zu sein. Wir setzten uns auf Hocker an einen runden Tisch und bestellten Wein, dessen Name uns fremd war.